Sterilisierung

Bei Männern kann durch einen kleinen Eingriff, die sogenannte Vasektomie, eine dauernde Unfruchtbarkeit (definitive Kontrazeption, auch Sterilisation genannt) erreicht werden. Nach diesem Eingriff können keine Kinder mehr gezeugt werden. Die Möglichkeit den sexuellen Verkehr auszuüben bleibt dagegen voll erhalten.

Nach den heutigen Erkenntnissen hat die Vasektomie keine negativen Folgen. Verschiedene Nebenwirkungen sind diskutiert, aber nie bewiesen worden. Solche früher diskutierten Nebenwirkungen beziehen sich z.B. auf Antikörperbildungen gegenüber Spermien. Erfahrungen der letzten 15 Jahre in vielen Ländern haben jedoch gezeigt, dass die Sterilisation eine der empfehlenswertesten Methoden der Familienplanung ist.

Ihr Hauptnachteil ist die Endgültigkeit des Eingriffs, d.h. eine Rückgängigmachung ist in der Regel nicht möglich. Zwar gibt es operative Verfahren, die es ermöglichen sollen, diesen Eingriff zu revidieren, die Erfolge sind aber nicht sicher. Deshalb sollte jeder sich Mann darüber klar sein, dass die Vasektomie etwas Endgültiges für ihn ist. Er sollte dieses Problem auch mit der Partnerin besprechen.

Wünscht ein Ehepaar die Sterilisation, so ist dieser Eingriff beim Mann wesentlich einfacher als bei der Frau. Bei der Sterilisation der Frau müsste die Bauchhöhle eröffnet werden, um das Durchtrennen der Eileiter zu ermöglichen.
Ein weiterer Vorteil der Sterilisation des Mannes ist, dass der Erfolg des Eingriffs beim Mann kontrolliert werden kann: Einige Wochen nach dem Eingriff kann das Ejakulat (Samenflüssigkeit) auf noch lebende Spermien untersucht werden. Die Abwesenheit von Spermien ist ein Beweis für den gewünschten Erfolg der Operation. Eine vergleichbare Kontrolle des Behandlungserfolgs bei der Frau existiert nicht.

Das operativ-technische Vorgehen beim Mann sieht folgendermaßen aus:
Nach je einer örtlichen Betäubung werden links und rechts am Hodensack die Samenleiter freigelegt. Danach werden beide Samenleiter durchtrennt und ein Teilstück entfernt. Diese Samenleiterstücke werden zur Untersuchung an einen Facharzt für Pathologie eingesandt.
Eine solche Untersuchung ist u.a. aus rechtlichen Gründen notwendig: Ein unabhängiger Arzt soll den Erfolg der Operation dokumentieren.

Schmerzen treten bei dieser Operation nur in einem geringen Umfang auf. Sie sind etwa vergleichbar mit dem Wundschmerz der entsteht, wenn man sich einmal in den Finder schneidet. Im übrigen ist die Schmerzempfindung jedoch auch individuell unterschiedlich. Im extrem seltenen Fällen werden von dem Patienten auch einmal stärkere Schmerzen angegeben. In der Fachliteratur wurde über länger anhaltende Schmerzen in 2-3 (!) Fällen berichtet. Ich kann diese Erfahrung bei meinen Patienten nicht bestätigen.
Im Allgemeinen kann man sagen, die Operation ist weniger schmerzhaft als eine mittelschwere Zahnbehandlung.

So einfach dieser Eingriff in seiner Durchführung ist, so ist er jedoch nicht völlig unproblematisch. Hier sei daran erinnert, dass in der Medizin nichts 100%ig ist. In der Vergangenheit sind nämlich Fälle vorgekommen, in denen trotz einer Vasektomie die Männer noch Kinder gezeugt haben. Dieses Vorkommen, das naturgemäß zu unliebsamen Überraschungen führen kann, ist durch die sogenannte Rekanalisation zu erklären.

Hierbei geschieht folgendes: Die Enden der durchtrennen Samenleiter nähern sich einander an und werden für die Samen wieder durchgängig. Nachdem das Phänomen der Rekanalisation bekannt wurde, hat man das operativ-technische Vorgehen verändert. So wird nunmehr von mir ein besonders großes Stück Samenleiter herausgetrennt. Die Samenleiterenden werden besonders gewissenhaft durch Koagulation und spezielle Operationstechniken verschlossen. Außerdem wird zwischen die beiden Samenleiterenden nach Möglichkeit ein Gewebsstück gelegt. Mit diesen Maßnahmen dürfe die Rekanalisation sehr unwahrscheinlich sein. Die bedeutet jedoch auch, dass die ohnehin schon sehr zweifelhaften Chancen für eine Rückgängigmachung des Eingriffs aufgrund des neuen operativen Vorgehens noch schlechter geworden sind.

Vorsichtshalber möchte ich jedoch darauf hinweisen, dass ich im Falle einer ungewollten Schwangerschaft keinerlei Haftung übernehme, da es sich bei der Rekanalisation um ein biologisches Phänomen handelt.

Nach einer Vasektomie müssen erst mal weiterhin Verhütungsmittel angewandt werden, da sich noch lebensfähige Spermien jenseits der Unterbindungsstelle befinden und damit eine Befruchtung noch möglich ist.

Um die notwendige Sicherheit zu bekommen, dass keine Spermien mehr vorhanden sind, ist es notwendig, mehrere Ejakulationsproben (Samenflüssigkeit) zu untersuchen.
Sechs Wochen nach dem Fädenziehen kann die erste Probe zur Untersuchung gebracht werden. Sollten keine Samenfäden mehr gefunden werden, können zwei weitere Proben im Abstand von jeweils zwei Wochen untersucht werden.
Insgesamt müssen drei Proben in Folge absolute Spermienfreiheit ergeben, dann erfolgt ein Abschlussgespräch. Ab diesem Zeitpunkt ist der Mann steril, d.h. zeugungsunfähig. Bis zu diesem Zeitpunkt muss eine Verhütung erfolgen.

Nach der Unterbindung der Samenleiter, also nach der Sterilisation, ändert sich nichts fühlbar für den Mann, insbesondere bleibt die Potenz voll erhalten und es entleert sich beim Geschlechtsverkehr nach wie vor Flüssigkeit (Ejakulat), da die Hauptmenge der Samenflüssigkeit von den Geschlechtsdrüsen, wie Prostata und den Samenbläschen, geliefert wird. Die Ausführungsstelle dieser Drüsen liegt ebenfalls jenseits der Unterbindungsstelle.

Die Spermien, die weiterhin produziert werden, aber nicht über die Unterbindungsstelle am Samenleiter hinaus können, werden allmählich unmerkbar abgebaut und ihre Zerfallsprodukte werden über die Lymphbahn abtransportiert. Dieser Vorgang ist etwa vergleichbar mit dem Verschwinden eines Blutergusses: Ein Bluterguss besteht bekanntlich aus einer Vielzahl roter Blutkörperchen. Diese werden innerhalb von einigen Taagen von sogenannten Fresszellen abgebaut und abtransportiert.

Komplikationen und eigene Ergebnisse

Ich habe diese Operation bereits ca. 200 mal durchgeführt. Bleibende Schäden, Schmerzen, schwere Komplikationen oder ungewollte Schwangerschaften sind mir in keinem Fall bekannt geworden. Aufgrund meiner Erfahrungen kann gesagt werden, dass die Sterilisation ein komplikationsarmer Eingriff ist. Jedoch gilt auch hier das schon betonte, dass in der Medizin nichts 100%ig ist. Als Komplikationen können vorkommen:

Störung der Wundheilung
Leichte Wundsekretion bis zu schmerzhaften Schwellungen können verursacht werden durch das spätere Eindringen von Keimen in die Wunde. Diese Komplikation tritt in 1-5% der Fälle auf, je nachdem, ob kleinste Wundsekretionen mitgerechnet werden. Wundheilungsstörungen lassen sich durch peinliches Sauberhalten und eine gute postoperative Wundpflege weitgehend vermeiden. Hierfür ist es wichtig, dass der Patient 3-4 Tage nach der Operation zu Hause bleibt und weitgehend Sofaruhe hält. Zur weiteren Sicherheit erhält jeder Patient kurzzeitig ein Antibiotikum.

Nachblutungen
Kommen in weniger als 0,5% der Fälle vor. Sie können durch einfache Maßnahmen, etwa durch einen Kompressionsverband oder eine Umstechung beseitigt werden.

Granulombildungen
Granulome sind kugelförmige Anschwellungen an der Unterbindungsstelle des Samenleiters. Sie kommen nach meiner Erfahrung in weniger als 1% der Operationen vor. Die verschwinden meist nach konservativer Behandlung und müssen selten operativ entfernt werden.

Bluterguss
Blutergüsse verschwinden in der Regel selbst ohne weitere Behandlung. Sie können auftreten, wenn Äderchen, meist auf der linken Seite, im Rahmen eines größeren Geflechts während des Eingriffs einreißen.

Vorbesprechung und Untersuchung

Falls Sie sich nach reiflicher Überlegung zu der Sterilisation bei mir entschlossen haben, empfehle ich Ihnen meine Praxis zur Vorbesprechung und Untersuchung aufzusuchen.

Bei der Untersuchung werden die Verhältnisse am Samenstrang abgeklärt. Insbesondere kommt es darauf an, dass kein Bruch und keine Varikocele (Adergeflecht am Samenstrang) vorliegt.
Weiterhin klären wir die Blutgerinnung, um mögliche Komplikationen auszuschliessen.
Ein Spermiogramm zeigt das Vorhandensein von lebenden Spermien und damit die Notwendigkeit dieser Operation.

Bei der Vorbesprechung geht es darum, noch einmal kurz abzuklären, welche besonderen Gründe Sie dazu veranlassen, die Vasektomie durchführen zu lassen. Eine solche nochmalige Besprechung mag Ihnen überflüssig vorkommen, da Sie bereits umfangreich über die Probleme beraten worden sind. Bedenken Sie jedoch, dass der Hauptnachteil der Sterilisation die Nichtrückgängigmachung des Eingriffs ist und dass in einzelnen Fällen Männer ihren Entschluss später bereut haben. Da sicher auch diese Männer eindringlich auf die Endgültigkeit der Vasektomie hingewiesen wurden, kann es sicher nicht verkehrt sein, wenn man die Tragweite des Eingriffs noch einmal im Gespräch erläutert.

Zur Voruntersuchung bringen Sie bitte unseren Aufklärungsbogen unterschrieben mit.

Sofern Sie an Ihrem Entschluss festhalten, stimmen wir mit Ihnen einen Termin ab.

Praktische Hinweise

Für die Desinfektion des Operationsgebietes und damit für eine ungestörte Wundheilung ist es sehr wichtig, dass Sie am Vortag die gesamte Schambehaarung, d.h. alle Haare am Hodensack unterhalb des Hodensacks, im Bereich des Schambeins und partiell am Oberschenkel vollständig entfernen. Es dürfen keine Stoppeln zurückbleiben. Diese Haarentfernung ist mit dem Rasierapparat möglich, besser ist die Beseitigung mit einer handelsüblichen Enthaarungscreme entsprechend Gebrauchanleitung.

Hygienemaßnahmen

Am Vortag sollte ein Reinigungsbad genommen werden. Am Tag der Operation sollte für eine keimarme häusliche Umgebung gesorgt werden, d.h. Sie benutzen neue Bettwäsche und einen neuen Schlafanzug. Den täglichen Unterwäschewechsel erwähne ich nur zur Vollständigkeit.
Eine solche Vorbereitung begünstigt gute Wundheilungsergebnisse und die Erfahrung hat gezeigt, dass ein Eingriff im Krankenhaus und ein längerer Aufenthalt dort verhindert werden kann.

Nach dem Eingriff können Sie in der Regel mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren, besser ist es natürlich, wenn Sie sich abholen lassen.
In den nächsten Tagen können ziehende Beschwerden im Operationsgebiet und den Leistenbeugen auftreten. Diese Schmerzen sind harmloser Natur und verschwinden nach kurzer Zeit. Wichtig ist die Hochlagerung des Hodensacks in den folgenden 2-3 Tagen und eine körperliche Schonung.
Selten ist eine Schmerztablette notwendig (KEINE ASPIRIN o.ä. verwenden – Blutungsgefahr!).

Wir sind Mitglied im Netzwerk "Vasektomie Experten".

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